Tiere im Land der Träume? Das sagt die Forschung

Neulich hatte ich das große Vergnügen, meine Kaninchen beim Schlafen aus nächster Nähe beobachten zu dürfen. Nach einiger Zeit konnte ich bei einem von ihnen deutlich die schnellen Augenbewegungen erkennen, als es sich offensichtlich im Rapid-Eye-Movement (REM) -Schlaf befand. Dabei habe ich mich gefragt, was eigentlich die Forschung über träumende Tiere sagt. Meine Neugier ließ mir keine andere Wahl, als mich ausführlicher mit der Fachliteratur zu dem Thema zu beschäftigen.
Es liegt auf der Hand, dass es nicht einfach ist, das Träumen bei Tieren eindeutig zu beweisen. Es gibt jedoch durchaus eine Reihe von wissenschaftlichen Hinweisen und unzählige Beobachtungen, die einen kaum noch daran zweifeln lassen. Einige Wissenschaftler*innen schließen sogar nicht aus, dass selbst Insekten wie die Honigbiene träumen könnten. Allerdings sind die Träume dann wohl eher nicht mit unseren vergleichbar.1

Der Zusammenhang zwischen Träumen und REM-Schlaf

Der REM-Schlaf wird häufig mit dem Träumen in Verbindung gebracht. Wenn Menschen während der REM-Phase geweckt werden, können sie in etwa 90 – 95 % der Fälle von einem Traum berichten.2 Werden sie in einer Non-REM-Phase geweckt, schrumpft die Zahl der Traumerzählungen auf etwa 5 – 10 %.2 Die Tatsache, dass viele Säugetiere und sogar Vögel einen REM-Schlaf haben, legt die Vermutung nahe, dass auch Tiere in dieser Zeit träumen.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen das Träumen von Tieren

Der REM-Schlaf reicht als alleiniger Beweis für das Träumen der Tiere jedoch nicht aus. Dennoch sind sich viele Forscher*innen sicher, dass auch Tiere träumen. So fanden etwa Neurowissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) bereits 2001 wichtige Belege hierfür.3 Sie zeichneten die Hirnaktivität von Ratten während eines eintrainierten Bewegungsablaufes sowie während des Schlafens davor und danach auf. Dabei fielen den Forschern bestimmte Signalmuster auf, die von speziellen Gehirnzellen während der Bewegungsaufgabe im Wachzustand hervorgerufen wurden. Diese Signalmuster konnten sie in den Aufnahmen während des REM-Schlafes der Ratten nach vollbrachter Aufgabe eindeutig wiedererkennen. Daraus schlossen die Forscher, dass die Tiere im Schlaf die gleichen Bewegungsabläufe noch einmal durchgehen, um auf diese Weise das Gelernte im Gedächtnis zu verfestigen.

Für den REM-Schlaf ist außerdem eine Erschlaffung der Muskulatur charakteristisch. Deshalb bewegen sich in dieser Phase des Schlafes normalerweise ausschließlich die Augen. Der französische Neurowissenschaftler Michel Jouvet beschrieb 1979 Versuche, in denen er mit seinem Forschungsteam die lähmende Muskelerschlaffung bei Katzen chirurgisch aufgehoben hat, sodass sich die Katzen während der REM-Phase bewegen konnten. Auf die Beobachtenden wirkte das Verhalten der Katzen im Schlaf so seltsam, als würden sie den Tieren beim Träumen zu sehen.4

Die Beobachtungen vieler Tierhalter*innen, die ihren Hund im Schlaf bellen hören oder ihr Haustier unmittelbar nach dem Aufwachen so verwirrt erleben, als wäre es gerade noch woanders gewesen, bestätigen derartige Rückschlüsse.

Fazit

Schlafforscher*innen kommen der Erkenntnis, wie Träume entstehen und welchen Sinn sie haben, immer näher. Da auch die Technik fortwährend ungeahnte Fortschritte macht, könnten Träume zukünftig möglicherweise sogar eindeutig messbar sein.5 Ist das einmal geschafft, bleiben aber weitere, noch spannendere Fragen über die Träume von Tieren zu klären: Wie erleben die Tiere das Träumen? Haben sie auch abstrakte Träume? Können sie sich hinterher an das Geträumte erinnern und können sie dann auch zwischen Traum und Realität unterscheiden? Ob wir die Antworten darauf jemals finden werden, ist wohl leider noch mehr als fraglich.

Quellen

1) Melnattur K, Dissel S, Shaw PJ (2015) Learning and memory: Do bees dream? Current Biology, 25, R1040-R1041, https://doi.org/10.1016/J.CUB.2015.09.001.

2) Frith C, Perry R, Lumer E (1999) The neural correlates of conscious experience: an experimental framework. Trends in Cognitive Sciences, 3(3), 105-114, http://dx.doi.org/10.1016/S1364-6613(99)01281-4.

3) Louie K, Wilson MA (2001) Temporally structured replay of awake hippocampal ensemble activity during rapid eye movement sleep. Neuron, 29(1), 145-156, http://dx.doi.org/10.1016/S0896-6273(01)00186-6.

4) Jouvet M (1979) What does a cat dream about? Trends in Neurosciences 2, 280-282, https://doi.org/10.1016/0166-2236(79)90110-3.

5) Cipolli C, Ferrara M, De Gennaro L, Plazzi G (2016) Beyond the neuropsychology of dreaming: Insights into the neural basis of dreaming with new techniques of sleep recording and analysis. Sleep Medicine Reviews, 35, 8-20, http://dx.doi.org/10.1016/j.smrv.2016.07.005.